Tag 8 – The guard

Eines Morgens vor einigen Tagen lief plötzlich ein wilder großer Hund mit überdimensionalen Männlichkeitssymbolen in das Camp, während wir Frühstück vorbereiteten. Wir traten vorsichtig die Flucht in den Camper an und verschlossen die Tür. Ehe wir uns wieder nach draußen wagten, lugten wir durch die Fenster. Der schwarze Canis lief selbstbewusst durch das sonst menschenleere Lager. Ein Krieger? Ein besessener Geist? Oh Mann, wir waren voll auf dem Cherokee-Thema fest gegangen. Es schien nichts Interessantes, vielleicht Fressbares, zu geben für unseren ungebetenen Gast und so trottete er wieder von dannen. Wilde Hunde in den USA?

Gestern landeten wir mit unserem Gefährt auf dem Hidden Lake Campground in den Tellico Plains. Schon wenige Minuten später erschien wiederum ein wilder Hund. Hm, wirklich wild und ungebunden? Dazu war er zu gut genährt und ohne Schrunden, mit glänzendem Fell. Er kam schwanzwedelnd zu uns, was uns wiederum bewog, den Schutz des Campers aufzusuchen. So legte er sich in der Nähe ab. Irgendwie war uns das auch zu blöd, im Camper vor uns hin zu schmoren. Also unsererseits Initiative zeigen! Besitzeranspruch. Wir gingen raus, setzten uns an den Tisch und versuchten den Hund zu ignorieren. Schwierig. Er kam wiederum freundlich angeschwengelt. Ja, versuchte sogar auf die Bank zu uns sich zu setzen. Was wir ihm allerdings verwehrten, indem ich mit der Schulter ihn wegdrückte. Einige Meter von uns entfernt legte er sich auf die Seite und schlief. Da er sich so höflich benahm, hatte er mein Herz erweicht und ich legte ihm eine Scheibe Truthahnfleisch hin. Die er skeptisch beschnupperte und ohne Gier verspeiste. Irgendwann verschwand er, jedoch nur um ein paar Minuten später im Schlepptau mit zwei Kumpels wieder zu erscheinen. Aha, so läuft das! Allerdings waren die Kumpels nicht so gepflegt. Da hat man wohl erstmal den Dandy vorgeschickt!? Die beiden anderen sahen eindeutig mitgenommener aus. Und Flöhe- die hatten sie alle! Ok, nachdem wir auch den anderen beiden die Regeln klar gemacht hatten, blieben sie nun alle drei bei unserem Camper (es gab ja auch nur uns) und taten, als gehörten sie zu uns.

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Am späteren Abend sahen wir nur noch den Dandy. Er lag unweit von unserem Sitzplatz. Plötzlich schreckte er hoch und knurrte in die Dunkelheit. Was uns eine Gänsehaut verpasste, denn wir haben zu wenig Sensorik für die Gefahren aus der Finsternis. Hier gab es schließlich Bären, Kojoten, giftige Schlangen! Er stand auf und lief bellend in den Wald. In einem 180 Grad Umkreis hörten wir ihn mal näher, mal weiter entfernt etwas verbellen. Und dachten, so, jetzt ist er weg.

Weit gefehlt. Nach 10 Minuten tauchte er wieder auf und legte sich an die gleiche Stelle wie vorher, maulte nochmal knurrend ehe er sein Haupt zum Schlaf bettete. Mit dieser Aktion hatte er sich seinen Namen verdient: Guard! Er schien uns der alte Geist eines Cherokee zu sein. Der uns beschützte. Der gelassen blieb. Der aber vorsichtig war.
In der Nacht regnete es. Alle drei Hunde lagen unter dem Camper. Als ich mich morgens am Wasser umsah und hingekniet fotografieren wollte, sass plötzlich Guard neben mir und blickte mich an, schob mir seinen Kopf vorsichtig entgegen und stahl mir kurz mein Herz. Ich riss es ihm wieder aus den Klauen, als wir den Motor starteten und abfuhren. Die anderen beiden Fellnasen kamen schnell unter dem Camper hervor. Aber unser Nightguard lief, als wir fuhren, dem Auto schnell voraus, manchmal nebenher, so dass wir schon Angst hatten, er würde uns folgen. Glücklicherweise blieb er aber an der Hauptstraße zurück und blickte uns nach.

Na klar bin ich hier im Cherokee-Land auf MEINEM „Indianer“-Thema. Ein Geist der Ahnen schützt uns, stellt uns auf die Probe, nimmt Gestalten an. Welche noch, wird der Weg mir zeigen.

Guard