Tag 4 – America the beautiful

Mir scheint es bislang, dass in Amerika alles groß ist.
Die Autos (die kleinen wirken fast absurd auf dem, natürlich großen, Parkplatz), die King Size Betten (im Doppelzimmer gleich zwei davon), die Supermärkte mit selbstverständlich übergroßem Angebot, die Reklameschilder am Strassenrand, die Menschen im Umfang (besonders gut zu sehen auf ihren Trolleys, mit denen sie natürlich auch durch die besonders langen Gänge der Walmarts fahren, nicht laufen).
Was ist das? Ist es, zu zeigen, was ich bin und was meinen ich Besitz nenne?
Das Leben hier scheint auf das Einfache heruntergebrochen zu sein. Es bedarf einiger Anstrengung, sich „richtiges“ Essen zu kaufen. Vieles, was angeboten wird, zielt auf schnelle Befriedigung von Bedürfnissen, ohne Gedanken daran zu verschwenden, was einem gut tut.
Erobert werden muß nicht mehr. Das taten die ersten Fremden, die an die Küste kamen. Es weiter zu behaupten, bedeutet, DA ZU SEIN.
Wie viele von uns wollte auch ich im Spiel als Kind immer Indianerin sein, niemals Cowboy. Jetzt Natives zu begegnen, läßt die Schamesröte in mein Gesicht steigen. Gemeinschaftliches Schuldgefühl? Eigentlich möchte ich nicht deren Kulturen glorifizieren. Doch der fade Beigeschmack beim Blick in die Geschichte macht es mir schwer.
Gestern trafen wir die Halb-Cherokee Leslie Thomas. Sie leitet die Gilmour Historical Society. Ihr Bericht z.B. über den Trail of Tears wirkte noch immer stark betroffen. Ihre Finger zerknüllten die gesamte Zeit des Interviews ein Papiertaschentuch.
Am Abend sprach uns eine Nachfahrin der Black Foot-Natives an. Sie wurde als Kind sehenden Auges so erzogen, dass sie es einmal „besser“ haben sollte. Sie zelebriert nicht die amerikanischen Gedenktage. Doch lebt sie ein amerikanisches Leben.
Wir assimilieren oder wir löschen aus. So reichern wir Besitz an, Land, Rohstoffe, kulturloses Dasein.
Bislang gefällt mir Amerika nicht. Mal sehen, was uns noch begegnet. Schauen wir also hin.