Der Weg zu Detzner führt nach oben

Heute brachen wir in Junzaing auf um zu Detzners Versteck, zu seiner Hütte zu laufen. Es hatte die ganze Nacht stark geregnet. Der kaminrote Lehmboden bot sich als eine einzige Modderpiste. Um 9 Uhr sollte es losgehen. Wir verabredeten uns vor dem Abmarsch noch ein paar Einzelinterviews innerhalb der Gruppe zu den Ereignissen der letzten Tage zu führen. Und so viel haben wir schon gelernt. Die Uhren in Papua Neuguinea ticken nicht im selben Takt wie die in Europa. Wir konnten uns also Zeit lassen mit der Arbeit. Mit 9 Uhr ist eher nicht zu rechnen. Am Morgen hörte man Kettensägengeräusche aus dem Dschungel schallen. Ungewohnt gewohnt dachte ich noch. Dass das Dorf hier schon seit den frühen Morgenstunden im Einsatz ist, um uns den Weg durch den Dschungel zur geheimen Stelle Detzners Unterkunft zu bahnen, wussten wir noch nicht. Um 11 Uhr hieß es endlich Abmarsch. Begleitet von Pastor ...
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Mittendrin

Genau jetzt sind wir von 200 Bewohnern Junzaings umzingelt oder besser umschlungen. Seit vier Stunden schon. Dass wir eine Attraktion in einer non-digitalen, indigenen Welt sind, ist ja nicht weiter verwunderlich, aber hier geht es um mehr. Sie haben vor hundert Jahren Detzner ein Versteck im Dschungel gebaut, außerhalb des Dorfes, nur ganz wenige waren eingeweiht. Das Geheimnis des Versteckes und das Versprechen darüber, dass sie dem Missionar Kayßer gaben, Detzner zu beschützen, gilt bis heute. Die Nachfahren der damals Eingeweihten sprechen sehr leise ins Mikrofon, damit der Rest vom Dorf nicht alles mitbekommt. Sie erzählen brillant und detailliert. Mündliche Überlieferung hat hier eine makellose Form. Auch erinnern sie sich der Versicherung Detzners, dass er nicht wiederkommen wird, wohl aber seine Enkel oder Urenkel. Und da sind wir nun, wie eine eingelöste Prophezeiung. Wir sind umringt und haben schon viele Reden gehalten und Toaste empfangen. Rübe und Steffen können nicht ...
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Regen

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immer wenn es regnet vergesse ich den schirm kaltes klares wasser peitscht auf meine stirn dahinter brennt ein feuer dass niemand löschen kann und immer wenn es auszugehen droht facht ein wind es wieder an morgen wird sich alles ändern ein heißer neuer wind soll wehen ...
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TIME

Wenn man sich vorstellt frei zu sein, an was denkt man dann? Zu tun und lassen was einem gerade in den Sinn kommt? Sich in Sicherheit wähnen? Sie sitzen, sie stehen, sie spucken, sie schlendern. Man würde vielleicht sagen, sie lungern einfach immer herum. Man könnte sagen, dass sie untätig sind und nichts auf die Reihe kriegen. Walter sagt zu mir im Bug des Speedbootes, für ihn und die Newguinis sei es entscheidend was jetzt, genau im Jetzt passiert, was man fühlt und tut. Wir sind frei und wild. Ich denke, dass kenne ich doch von guten Vorsätzen. "Sei mehr im Moment usw." Es gibt keine klare Vergangenheit und Zukunft, es gibt das jetzt erzählt Walter weiter. Im Westen ist die Zeit eine Linie. Sie hat eine Strecke zu gehen, hat eine schon gegangenes Stück und noch eine Strecke vor sich, man tut die Dinge für die Zukunft, immer hat ...
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Ozean vor Heldsbach

Lungern

10 Uhr morgens. Der Sonnenaufgang ist abgedreht. Alle Sachen sind gepackt. Waiting for my men...Der Jeep, der uns nach Juanzing bringen soll, steckt oben im Hinterland im Schlamm fest. Das dichte Tempo unserer Pläne fährt sich etwas hinunter und geht in den landestypischen Lungermodus. Walter und Gais arbeiten fieberhaft nach Alternativen. Wir bringen derweil ein paar Interviews an den Start und spielen ein kleines Konzert im Schulhaus. Die allgegenwärtige Freude der Kotte-Menschen flutet uns wie die pazifische Brandung. Zwischendurch fällt der Strom aus, kein Internet seit einem Tag (ha Frechheit!), dann kommt der Strom und das Wasser macht dafür den Geher. Der Distrikt-Präsident erzählt, dass die Kotte-Menschen keine Wort für Danke hatten, da sie Geschenke mit Geschenken, Taten mit Taten erwidern. Den Deutschen war das nicht koscher. Da brachten sie es den Kotte bei. Sag Danke, dann bist raus dem Schlamassel. Bringst die Kokusnuss zur Planatagenreife, verschiffst sie, machst Mehrwert ...
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Bilder, die atmen

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Wahrscheinlich und hoffentlich wird es sich zunehmend abschwächen. Aber ich bin durch Eure Beschreibungen des Orts total verkrampft. Weil ihr das so voller Energie in den Füller gebt. Kai, Dein gestriger Text  - ein Festival der Eindrücke. Mark, Dein Streben nach dem Ton. Und Momo, Dein Überblick, was schon die ersten Fotos des Grüns von oben bedeuten. Ich freue mich total, dass die Reise voller bedachten Tatendrang läuft. Aber ich bin trotzdem verkrampft, weil ich das noch nie erlebt habe. Dieses von außen Kommentieren. Ich war ja immer dabei. Nun sitze ich im inneren Lazarett. Grübele und denke mir Detzner und Euch im Regenwald. Ein Bild. Ein schwaches Bild. Aber, was ihr beschreibt, ist so unglaublich dicht an allem, was ich seiner Zeit in Westpapua gesehen, gehört, gerochen und empfunden  habe. Mir kommen die Tränen, wenn ich mich in eure Texte knie. Groß auch der Sound, den ihr mit ...
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Tenkiu - Danke! Das erste was die deutschen Missionare den Niuginis beibrachten.

Hello white men – Großes Lachen – Bethelnuss

Papua Neuguinea, das Land der Lachenden Gesichter. Wir haben nun zwei Nächte in Walters Mission hier in Heldsbach verbracht. Am Abend unserer Ankunft lernten wir Pastor Gais, unseren Guide auf der Expedition und Gaity, unseren Koch auf unserer Reise durchs Landesinnere kennen. Die Chemie stimmt. Auch sie sind unserer abendlichen antibakteriellen Sundownermaßnahme nicht abgeneigt. Keiner von uns möchte an Durchfall erkranken. 30ml Whisky müssen es bringen. Keiner hat ein Problem damit nur die 30ml sind manchmal schwer zu halten. Schnell ist eine Null mehr dabei. Mit Gais und Gaity fuhren wir gestern recht abenteuerlich auf der Ladefläche eines offenen Jeeps nach Finschhafen und Simban, die Orte der Erstkontakte deutscher Missionare um 1885. Der Fahrer hatte nicht sonderlich Mitleid mit unseren verwöhnten Hinterteilen und heizte ordentlich die Schotterpisten an den Berghängen der Küste auf und ab. Immer wieder stehen die Niuginis am Straßenrand, winkend und schreiend, voller Freude und Neugier. "Hello ...
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Musikalische Begegnung

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Heute morgen ist die erste musikalische Begegnung. Um 8 Uhr hören wir Kindergesänge. Ich hole das Aufnahmegerät (danke, Tom) und renne hin. Der Sound wird immer lauter und bald entdecke ich eine größere Hütte, aus der Gesang herkommt. Das ist eine Grundschule. Vorne an der Tafel in einem offenen Raum steht die Lehrerin und dirigiert. Die Songs gehen direkt ins Herz und schon stehen mir die Tränen in den Augen. Ich denke an meine Tochter und an dieses ähnliche Gefühl, wenn ich ihre Chorauftritte erlebe. Ich nehme alles auf, das waren drei Songs. Neugierig auf den Sound gehe ich wieder zurück um mir die Aufnahmen anzuhören. Ich scrolle die Files runter und sehe, zu meinem Erschrecken, dass die Aufnahme nicht da ist. Anfänger-Fehler. Das Gerät stand die ganze Zeit nur auf Standby. Ich gehe sofort wieder zurück in die Schule. Auf dem Weg sehe ich die Frau von Walter und ...
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Hafen Lae. Kurz vor der Abreise nach Heldsbach mit dem Speedboat

Hämmern.

Lae Harbour. Ein Boot wird prepariert, unser Boot, ein Speedboat. Es hat eine schöne, schlanke Form. Sein Corpus ist elegant oval und für die lange pazifische Dühnung gebaut. Und für Douglas, unseren Capitano, der schnellste und begehrteste Speedboatrider auf der ganzen Huon-Halbinsel. Während er das offene Boot betankt, verdrücken wir noch einen kleinen Angstschiß in der banachbarten leeren Fischhalle. Eine Plane wird über unseren Plunder gezogen. Unsere blaue Tonne, wie immer erhaben was Feuchtigkeit betrifft, steht lässig neben der 75PS-Maschine. In der Tonne lagert unser Filmequip und heute gilt es. Wir nehmen Platz. Liegend, hockend, ineinander verknotet, Boatpeople. Douglas läßt die Pferde zu Wasser und bringt den "paste" auf die Dünung. Schnell entfernt sich Lae, die nur wenig geschaute. Die Küstelinie perforiert sich neben die Rehling. Mal in 300 Metern Abstand, mal ganz nahe, denn Douglas fährt nicht einfach stumpf die Idealllinie. Douglas reitet die Welle mit 5o Sachen und ...
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Die Uhr umgestellt

Guten Morgen Lae! Guten Morgen Papua Neuguinea! Es ist 6 Uhr local time. Ich wache von selbst zur neuen Zeit, die hier unser Tagesanfang sein wird auf und fühle mich erholt als hätte ich 10 Stunden Schlaf genossen. Real waren es 5. Liegt es daran, dass ich eigentlich ein Langschläfer bin und meine innere Uhr ein Niuginien ist? In diesem Moment geht die Sonne auf als hätte jemand den globalen Lichtschalter betätigt. Der Sound welcher diesen ersten Sunrise begleitet, ein Vogelchor in großer Besetzung, ist laut und vielstimmig. Im Hintergrund kann ich ganz klar die Melodie der ersten zwei Zeilen "Bruder Jakob"s erkennen. War der auch schon hier? Die Anreise war sehr lang und käfteraubend. Die Belohnung ist atemberaubend. Auf dem letzten Flug gestern von Port Moresby nach Lae sah ich eine Landschaft von oben, wie ich sie nie gesehen habe. Hellgrüne samtene Berge, die sich wie Wanderdünen in der ...
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ERSCHÖPFUNG

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Lae. Wir alle sind sehr erschöpft nach dem unendlichen Fliegen. Das Hotel. Eine abgeriegelte Zone. Hier sind wir sicher, wurde uns gesagt. Außerhalb der Hotelanlage nicht. Das heißt, bis morgen sind wir hier eingesperrt. Nach dem Duschen geht die Müdigkeit nicht weg, aber wenn ich mich jetzt hinlege, werde ich heute nicht mehr wach. Ich setze mich draußen auf der Terrasse und versuche das Ankommen wahrzunehmen. Wie Kai sagt, die Seele kommt nicht mit dem Flugzeug mit. Sie braucht etwas länger. Also, abwarten. Ein großer Fernseher an der Bar ist auch hier ein Muss. Und der Ton ist leider an. Die Landschaftskulissen sind unwirklich. Irgendwie kennt man die Bilder aus den Filmreportagen, und doch ist die Wirkung groß. Ich bleibe sitzen und schaue einfach in die Ferne. Kurz nach sechs geht die Sonne schlagartig unter. Ein Wechsel in den Schwarz-Weiß-Modus. Die Tierwelt ist damit sofort wach. Es beginnt ein unglaubliches ...
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