Mindik Station

Das paradiesische Gefängnis

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Da waren sie wieder unsere drei Probleme: Dauerregen, heftige Niederschläge und permanent Wasser von oben. Die große Familie von Pastor Gais, unserem Chefguide, umhegt und pflegt die launigen und ungeduldigen Künstlergemüter. Wir dürfen uns längst Bruder und Schwester nennen, dennoch sind wir anders als die andern. Wir essen dreimal täglich in rauen und abwechslungsreichen Mengen. Ständig brauchen wir heißes Wasser für Kaffee und Ingwertee, unseren Alkoholersatz. Dass das Wasser weit unten aus dem Creek geholt werden muß, läßt stündlich eine Schwester mit Kanistern aufbrechen. Täglich wird von irgendwo Benzin organisiert, damit der Generator nachts für unsere Akkus seine Runden dreht. Nützlich sind wir auch nicht besonders. Denken wir. Wir lassen ein paar Kina hier und Ausstausch wird gepflegt, mit den Kindern vom Dorf, den Kranken im kleinen Spital, den Lehrern der Primary School und jedem, der sich durch den Regen kämpft und vorbei kommt. Doch nach und nach entstehen zarte ...
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Auf den ersten 3 Kilometern - Hoch bringt Geld

Im Scheitern verschlungen der Sieg

Als wir letzten Samstag Morgen Mindik verließen, um in Richtung Kabwum via den Grasslands zu laufen, sah man eine Künstlergruppe von 8 Leuten, wohlgenährt, ausgeschlafen, voller Vorfreude, gut bekleidet und ausgestattet, noch an jeder Ecke Fotos machend, die Arme zum Abschied in den Himmel gehoben dankend winken, im Gefolge 18 Niuginis mit größerem Gepäck und unseren zwei Guides Gais und Gaity die erste Straße das Dorf talabwärts verlassen. Es wurde gerufen, gejodelt, gelacht und auf der Seite der im Dorf gebliebenen geweint. Sie wollten uns nicht gehen lassen, waren in Sorge und schon jetzt in Sehnsucht nach uns. Unser Tagesziel Awengu. Schon mit dem Erreichen des ersten auf dem Weg gelegenen Dorfes stellten sich unweigerlich die ersten Fragen und suchten nach Antworten. Irgendwie stimmten die Kilometerangaben von Google Earth nicht mit der Realität überein. Die Beschaffenheit des Weges war zu diesem Zeitpunkt noch ganz ok. Aber die warnende Ansage der ...
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Träger, Getragene und andere Vorgänge

Acht Leute haben die seltsame Idee am anderen Ende des Welt eine gewiße Runde zu drehen. Dort werden sie von zwei Guides geführt. In jedem Dorf, dass sie durchstreifen, warten Hunderte, sie bei ihrem Durchzug zu bestaunen und gegebenfalls zu helfen, mit allem, was sie haben. Doch auch Hoffnungen der Einheimischen gesellen sich rasch zu jeder Begegnung mit den Fremdlingen. Ob man helfen kann, dem Kaffeemarkt in Europa beizutreten. Kirchenpartnerschaften und Tourismuslobbys auf den Weg bringen. Irgendetwas werden diese Weißen doch auf die Reihe kriegen. Es werden viele Versprechungen gemacht, Adressen getauscht, und Reden stolz gehalten. Irgendwann hören die Straßen auf und kein Boot und kein Jeep kann den ganzen Plunder der  Reisegesellschaft mehr tragen. Diese acht Sonderlinge haben allerhand mitgebracht. Für sich. Für alle Fälle. Für diese und jene Situation. Zelte, dreifach Wäsche, Kleidung für warm und kalt, Cremes, Pillen, Bücher und Vitaminriegel. Und Technik ohne Ende. Als wollten ...
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(© Momo Kohlschmidt)

Der Horror und die alten Knochen

Erste winzige Sonnenstrahlen dringen durch das Schilfgeflecht unser restlos verqualmten Hütte. Wir liegen dicht bei dicht. Fünfzehn Träger und acht Manganer. Ich versuche mich auf die rechte Seite zu drehen. Es schmerzt in jedem Muskel. Unter mir scharrt ein Huhn. Die Hütte steht auf Stelzen und aus der Ferne schlagen Trommeln und rufen zum sonntäglichen Kirchgang. Heute wird ein guter Tag, denn wir kehren wieder um. Als wir gestern uns frohgemut auf die Piste begaben, hatten wir keine Vorstellung, was Hochdschungeltrekking hier bedeutet. Alles ließ sich gut an, als die Trägerkolonne in den halbgetrockneten Matsch ihre nackten Füße setzte und tüchtig ausschritt. Bei Google Earth hatte ich sechs Kilometer ermittelt. Ich werde den Herrschaften darüber noch Bescheid stoßen müssen. Selbst das Höhenprofil erschien mir moderat. Doch weit gefehlt. Nach zwei Stunden hatten wir gerade 4,5 km geschafft und waren schon leidlich geschafft. Die Wege waren steil und nach wie vor ...
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Matsch und Antibiotika

Mindik, 9. August. Es regnet. Die Hoffnung, den blauen Himmel zu sehen, schwindet zunehmend. Die vor zwei Tagen gewaschenen Klamotten, akkurat in unserer Hütte aufgehängt, werden keinen Millimeter trockener. Die Feuchtigkeit schleicht sich überall ein. Das einzige Gegenmittel ist die Sonne. Und sie will sich nicht blicken lassen. Unterwegs zum Markt, wo wir ein Konzert spielen werden, mache ich einen falschen Tritt und rutsche tief in den Schlamm. Der dicke braune Matsch läuft über. Ich spüre lauwarme Flüssigkeit an den Füßen und die bemitleidenden Blicke der Einheimischen. Ich akzeptiere meine Niederlage und bemitleide meine ehemals so gut und vertrauenswürdig aussehenden Schuhe. Ab jetzt laufe ich barfuß. Und es fühlt sich gar nicht so schlecht an. Schon am Abend bin ich krank. Gegen die schlimmsten Krankheiten geimpft. Mit Teamärztin unterwegs. Ein Newguineas würde sich sehr wundern, wüsste er, was wir so alles mit uns schleppen, für alle Fälle, aus Sicherheitsgründen. Am ...
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NOBITE by HERMANN DETZNER

NOBITE by Herman Detzner

(© Frederik Schmid / Lukasz Majka) ...
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Traum

Es ist inzwischen der fünfte Tag in Mindik, geplant war das alles etwas anders, doch hat uns der gewaltige Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gestern morgen zeigte sich dann die Sonne zum ersten Mal in ihrer tropischen Pracht. Alles war klar, am nächsten Morgen machen wir uns zu Fuß auf, die Berge hoch zum nächsten Dorf Richtung Graslands. Dann kam der heutige Morgen und alle saßen schon auf heißen Kohlen, fertig zum Abmarsch, doch unsere Träger waren noch nicht bereit und uns wurde versichert, morgen wäre es klüger loszuziehen. Nach anfänglicher Enttäuschung und Frust darüber es nicht hartnäckiger eingefordert zu haben, dass wir gehen wollen, stellte sich bei mir das Gefühl ein: da sind wir Weißen nun verdammt zum weiteren Lungern, erst gezwungen durch die Gewalt der Natur, dann durch die Einheimischen. Ich muss innerlich schmunzeln, habe ich doch das Lungern so hoch gehalten und ich denke mir, ...
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Des Kayßers neue Nebel

Nebel, Sonne, Jesus Christus.

Mindik vierter Tag. Der Frühstücksruf dringt zu mir durch Modder und Moskitonetz. Die schmutzige Haut in schmutzige Kleidung gehüllt, dann den kleinen Schlammhang hinaufgeschlingert und die verschlafenen und zerknitterten Freunde begrüßt. Es gibt geröstete Erdnüsse, Kochbanane und Ananas. Unsere Nässe verdampft und die Fragen nach dem Tag bleiben unbeantwortet. Eine halbe Stunde später ein Lichtschimmer im bleiernen Grau des veregneten Nebelhimmels. Unsere kleine Bergrippe, noch umhüllt von einer Wolke, erwacht unter unseren ungläubigen Blicken. Nach 72 Stunden Dauerregen bricht ein Sonnenstrahl sich seine erste Bahn. Unser Mikrokosmos jubelt nach dem Dauerwaschgang. Und dann scheint sie, die Sonne und wärmt Halm und Erde, trocknet Sachen, Seele und Equipment in Windeseile. Die Temperatur steigt unverzüglich von 14 auf 26 Grad. Endlich Gelegenheit die Hütten zu verlassen. Wir interviewen Gais und die Mindiker Ältesten. Die Missionare Kayßer und Jacobsen genießen auch hier die allerhöchste Verehrung. Sie haben den Frieden gebracht in die rural ...
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Der Blog säuft ab, doch ihr seid da!

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Es ist schon erstaunlich, dass ein Tag Blogentzug sofort Fragen und Sorgen in uns Hiergebliebenen produziert. Kommen doch im Expeditionsblog zwei Dinge zusammen, die man zwar wacker nach außen behaupten kann, die aber nicht naheliegender Weise zusammen gehören - der archaische, wilde Regenwald und das technisierte, geordnete Netz. Doch vielleicht kann man die Attribute auch umdrehen und kommt einer Wahrheit jenseits bestehender zivilisatorischer Klischees näher. Das Nomadische Gen im Expeditionsteam und im Thema trägt jedenfalls bereits jetzt zur Erhellung bei ...
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Transformation

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Wir stecken fest im Regenland. Seit unser Ankunft in Mindik hat der eimerweise herunter kommende Regen nicht mehr aufgehört. Das war vor zwei Tagen und inzwischen ist alles klamm und feucht, obwohl wir ein festes Dach über den Köpfen haben. Das schöne Dorf zerrinnt wie eine Kleckerburg. Jeder Gang zur Toilette oder zum Essen bringt einem tönernde Elefantenfüße an das westliche Schuhequip. Aushalten und Heiterkeit. Im Hintergrund jedoch nagen Zweifel am Projekt, an den Plänen der nächste Woche, die Grasslands zu überqueren. Umschalten. Es ist Dienstag und heute ist Markt in Mindik. Die Menschen strömen aus den Tälern herbei um Yams, Taro und Bananen an den Mann zu bringen. Pastor Gais möchte dort unser Konzert sehen, auf dem Markt. Wir werden mit Regenschirmen ausgerüstet und machen uns auf den kurzen Marsch von gut 500 Metern, die wir spielend in einer halben Stunde durchwaten. Dort wo die Wege waren, sind jetzt ...
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Abreise nach Mindik. Den Jeep packen - Tetris vom Feinsten.

Modder of the roads

Ein Toyota rollt vor. Weiß, abgerockt und lehmverschmiert. Es ist ein Pickup und unser Plunder türmt sich im roten Mergel vor ihm. Es hat geregnet, doch jetzt scheint die Sonne. Gaity und die Jeepcrew beginnen das unmögliche Tetris, alles zu verstauen, so daß auf der offenen Ladefläche die Größe eines Esstisches übrig bleibt, wo wir Manganer Platz zu nehmen gedenken. Uns an uns und die Rehling klammernd. Ein paar Synthetik-Seile halten den Plunder und wir halten uns an diesen fest. Für wie lange? Niemand kann das beantworten. Wenn schon ein Einheimischer sagt, die Piste nach Mindik ist sehr schlecht, ist sie für uns als solche wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellbar. Doch Pastor Dick und den vielen neuen Freunden aus Junzaing winkend, setzt sich die Arche Noah in Bewegung. Schlappe 45km, zwei Bergrücken überwindend, Prognose 6 Stunden. Die ersten zwei Stunden haben wir noch den Spaß des Unbekannten. Die Piste ist ...
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GERMAN DONT SURF

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Endlich. Wir sind im Dschungel. Da wo wir hin wollten, hin gehören. Wir sind bei Hermann Detzners Unterschlupf, seiner Behausung, wo er vier Jahre überlebte, wartete, frei war im grünen Gefängnis. Einmal am Tag kamen zum ihm drei Bewohner des Dorfes und brachten ihm Essen. Detzner hing seinem militärischen Drill nach. Er kommandierte, schlug einen schroffen Ton an und hielt alles penibel sauber. Nur nass war es trotzdem alles. Wir spüren die hohe Luftfeuchtigkeit bei jedem weiteren Schritt die 200 Höhenmeter den Berg hinauf zu Detzners Hut. Bei jedem kleinen Stopp keuche ich und will mehr Luft bekommen. Das angebotene Zuckerrohr nehme ich dankend entgegen. Überhaupt ist die ganze Gesellschaft sehr aufbauend. Viele Kinder und sogar ein Hund sind unserem Trupp gefolgt. Man hat alles für uns vorbereitet. Jäger tauchen mit Pfeil und Bogen hinter den tropfenden Blättern auf. Ich spüre einen nassen Film auf der Haut, wir befinden uns ...
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