Lutz auf dem Weg zum Interview.

Sunday Sunday, so good to me.

Lutz besitzt keine Beatlesplatte. Er gehört zu der Generation, bei der man nicht Stones und Beatles gleichzeitig hören konnte. Er ist auch sonst sehr diszipliniert und spult seine Interviewfragen präzise ab, obwohl wir bei unserer Mittagseinladung versehentlich fünf Flaschen Weißwein getrunken hatten. Ich döse in der zweiten Reihe. Überhaupt bin ich erstaunt, wie konzentriert unsere Reisegruppe zu Werke geht und den meisten Ablenkungen aus dem Weg geht. Heute am Sonntag von früh bis spät gedreht, am Schluss in der Kunstausstellung begleitet von Livemusik. Ich habe mich sehr relevant gefühlt ...
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Die Faszination des Erlebten

Georgs Beschreibung eines Morgens in Afrika ist schön, klar, direkt und als spräche meine eigene Seele. 6:38 Uhr. Es ist tatsächlich so, dass die Strassen, die Stadt in Warteposition vor dem großen Anschalten dem Menschen eine Lehrstunde in Sachen Magie erteilen. Ich rieche. Höre. Sehe. Und schmecke den taste der Pastete vom Wegesrand. Ein Betonquader auf dem Bürgersteig fordert meine Rast. Sanfter Wind. Hitzefrei. Ich setze mich und gebe mich allen Sinnen hin. Wenn Suggestion mein Herz weitet, darf sie das ...
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Blick aus meinem Café auf die Straße des 24. Juli.

Nkosi Sikelel’ iAfrika …

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Die südafrikanische Nationalhymne geht mir heute nicht aus dem Ohr. Nkosi Sikelel' iAfrika. Gott segne Afrika. Ich bin glücklich, wieder hier zu sein. Afrika riecht anders (Kai sagt nach Pisse), Afrika klingt anders, Afrika besetzt alle Sinne. Heute morgen (Samstag) um 7 bin ich durch Maputo gewandert und habe es so erlebt, wie ich es von früheren Besuchen kenne. Verschlafen, staubig, voller Gerüche, schattige Straßen voller Schlaglöcher, Gegenlicht. Ich bin glücklich. Ich sitze im portugiesischen Kaffee, inzwischen versteht man dort mein Spanisch, dass ich so nuschele, dass es wie Portugiesisch klingen soll. Der Kaffee war hier schon immer besser als in den früheren englischen Kolonien. Ich bin glücklich. Der Takt von Frankfurt tickt noch irgendwo im Hintergrund, aber ganz leise. Ich trabe langsam nach Hause in die Pension und merke, wie draußen der Tag in die Stadt kriecht. Es wird voll, laut und heiß. Tom kommt um 10:30 aus seinem auf ...
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Tag Sechs – Dem Fremden begegnen

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Einer von uns könnte afrikamüde sein. Es ist Georg. Er war in allen afrikanischen Ländern außer Sierra Leone. Doch er ist bei uns, begeistert und immer wieder erregt, dem Fremden zu begegnen. Georg ist unser Fachberater. Er muß es wissen und weiß es. Cut. Schwerin 1987. Dito fährt nach seiner Ankunft in der Zone zum ersten Mal ins Zentrum der Bezirkshauptstadt. Mit der Straßenbahn. Er steigt aus und ist unerwarteten Panikattacken ausgesetzt. SOVIELE Weisse auf einen Haufen. Und wo man auch hinsieht, nur Weisse. Dass die Angst zur Neugier wird und später wieder zur Angst soll erst drei Wochen, das zweite drei Jahre dauern. Auftritt der Fleischmützen. Skinheads. Unsere Madgermanes versichern einvernehmlich, dass die rechten Knallchargen durch die Wende verwirrt waren. Dem Fremden begegnen. Mord und Totschlag. Schwerin. Hoyerswerda. USW. USW. Cut. Maputo Tag Sechs. Wir drehen heute auf Märkten, wo einige unser Protagonisten heute ihr Geld zu verdienen versuchen ...
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Schuhe, Meer und Interspar

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Gestern war unser Netzchip leer, doch wir leben noch. Der Tag begann erst um zehn und trotzdem klebt die Rübe. Eindrücke, Eindrücke, Eindrücke. Wir fahren wie täglich den 24. Juli hinunter zum Park. Auf dem Sidewalk rund um den Park werden Schuhe angeboten. Genau genommen ist der Park von Schuhen umzingelt. Immer der Linke. Kai und ich überlegen kurz, wo mag der Rechte sein und die dazu gehörige Kiste. Deutsche Logistikfragen high noon im Zentrum Maputos. Ich trinke eine Sprite, Georg einen Zitronenshake, Kai und Lutz ein Elf-Uhr-Bier um zwölf. Der Schuhdealer wittert unser Interesse und präsentiert aufgeregt seinen Stoff. Kai fragt, ob ich schon einmal einen Käufer gesehen hätte. Ich verneine. Wir wenden uns ab. Die Sonne blitzt durch die dickfleischigen Blätter der Bäume. Zwei Interviews. Die Protagonisten sitzen auf Viererstapeln von Altreifen. Kein Problem an diesem Ort, denn es existiert ein Go-Kart-Parkur zum Selbertreten. Georg tritt in die ...
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Fragen 2

Was geschah eigentlich mit den Madgermanes nach dem sie die DDR verlassen mussten - nach Mocambique zurückkehren mussten? Wurden sie ausgezahlt für ihre Arbeit? Waren sie abgesichert? Hatten sie in der Zeit ihres Aufenthaltes in Halle, Rostock, Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt o.ä. etwas Geld ansparen können? Laut Vertrag wurde ihnen eine gute Ausbildung in der Zone zugesagt, um anschließend eine billige Arbeitskraft in der DDR zu sein. Doch was konnten sie nach ihrer gezwungenen Rückkehr in Mocambique mit ihrer Ausbildung anfangen? Schichtarbeit am Förderband im Slum von Maputo? Um die Fragen von Tom Franke aufzugreifen: "... Könnte ich hier leben? Was würde das bedeuten? Wer wäre ich?..." via Suburbia | Mangan25. Der Westen hatte sie geküsst. Konnten sie hier wieder leben? ...
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Suburbia

Das Gegenlicht fängt sich in einer trüben türkis-farbenen Suppe, die einen Hauptweg der Suburbs herunter fließt. Jorges erklärt, dass die Straße etwas kaputt sei. In mir flackern Gedanken auf. Könnte ich hier leben? Was würde das bedeuten? Wer wäre ich? Der Verdrängungskübel ist groß. Lutz und ich schauen uns kurz in die Augen. Nonverbales persönlich-aufklärerisches Agreement mit fünfundzwanzigjähriger gegenseitiger Geschichte. Die Straße sei etwas kaputt? Lutz und ich befinden, dass dem Wort Kaputt ein Prozess inne wohnt. Unsere Vorstellungskraft ist begrenzt. Das Fertige hatte nach unserer Ahnung auf dieser Straße nie Heimat gefunden. Wir sprechen es aus, rauchen und gehen mit den oben genannten Fragen einsam in die Tiefe. In meinem Hintergrund gewinnt ein Song der Pet Shop Boys Raum. Ich empfinde den Synthiesound im Angesicht der verkeimten Soße auf dem kaputten Weg albern. Trotzdem ist der Song da. Zugegebener Maßen vom Westen geküsst. Lost in the high street, where ...
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