Eh eh eh eh eh

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Afrika, das stelle ich fest, ist mir nach wie vor vertraut. Es hat sich zwar verändert. Was treibt all diese Menschen an, die aus prekären Wohnverhältnissen jeden Morgen wie aus dem Ei gepellt in die Stadt streben? Und wieso sieht man ihnen nicht an, dass sie erst eine Kloake überquert und dann eine Stunde in das Hyundai-Äquivalent des VW Bus mit 16 Leidensgenossen eingepfercht in die Stadt gefahren sind? Wieso sind alle hier so beflissen - trotz objektiv geringer Chancen? Würde ich hier geboren nicht lieber irgendwo unter der Palme schnarchen und mir Mangos in den Mund fallen lassen? Und was ist eigentlich mit, nein, lassen wir das. Der Kampf um Platz, Geld und Macht verdrängt einen Teil der Magie, jedenfalls hier in der Stadt. Einige mir lieb gewonnene Angewohnheiten haben sich hier aber nicht geändert. Beispielhaft das Verhalten in Wartesituationen. Fall 1) Gestern stand ich in der Filiale von Movitel, ...
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Regen, Waffen, schnelle Reifen

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In der letzten Nacht bricht ein Wolkenbruch los. Große Tropfen, große Freude. Drei nakte Mzugus nehmen Anlauf und stürmen lautstark in den Pool. Da wir in einem muslimischen Hotel sind, ist Nacktheit und Alkoholkonsum unerwünscht. Trotz oder gerade wegen der Anwesenheit Georgs, der nicht nur Fachberater, sondern nebenberuflich auch Anwalt ist, betrachten wir sowohl geschriebene als auch ungeschriebene Gesetze als Empfehlung und nicht als Dogma. Alles in allem geht unser Kollektiv sehr vernünftig, zurückhaltend und völkerverständigend vor. Am Morgen treffen wir Fiel von Nukleo Arte. Wir rasen mit unserem Toyota-Bus zum Haus der Minenräumorganisation. Warten. Nach etwa 30 Minuten frage ich, worauf eigentlich? Auf den Mann von der Regierung, antwortet Fiel. Der Mann von der Regierung erscheint tatsächlich und wühlt eine Makarov aus einem Putzlappen. Fiel betrachtet das Teil fachmännisch und beginnt mit der künstlerischen Umgestaltung der Waffe. Die Flex fräst sich durch den Lauf. Der Handgriff fällt zu Boden ...
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Weinkeller hintere Wand

The Wine Expert’s Guide to Mozambique

Ja, es stimmt, beim Essen und Trinken spiele ich in der Champions' League mit. Nachdem meine Mitreisenden gestern auch noch meine Beziehung zum Wein enttarnt hatten (als ich Kossas Oma das Bild vom Keller gezeigt hatte), und Kai dann auch noch hier veröffentlicht hatte, will ich nun wenigstens ein paar Anregungen für den Weinkonsum in Mosambik geben. Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass ich in Maputo eine Trinkpause einlege, nachdem wir in der Woche vor der Abreise doch so einiges vertilgt hatten. Dieser Plan wurde mir gleich am ersten Abend zunichte gemacht, weil meine drei Mitreisenden abends gerne etwas trinken. Außerdem fand ich am zweiten Abend unvermittelt einen ganz erstaunlichen Weinladen auf der Straße des 24. Juli fand. Dort fanden sich fast alle Spitzenweine aus Südafrika zu vernünftigen Preisen. Da ich seit meiner Zeit in Südafrika 1998 südafrikanische Weine allenfalls unsystematisch getrunken hatte, konnte ich diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen. Im folgenden ...
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Tag Neun – Avenidas / Linien

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Rundgang durchs Viertel. Moloch und Boomtown. Black-Mama-Magic und zahnlose Minka. Vor jedem Chinakrempelhändler Wachschutz. Das mulmige Ahnen, selbst am Vormittag - Gefahr ist möglich. Avenue Friedrich Angels. Der einzige erhaltene Abgang zum Strand. Ein kleiner Urwald verwehrt jeden Durchgang, davor ein Müllberg. Der Versuch eines Fotos, unterbrochen vom Auftritt eines Liliputaners. Er watet  gute zwei Meter in den Müll, um dann dort zu pissen. Die Unmöglichkeit abzudrücken. Und weiter durch die Straßen der Helden. Lumumba, Olaf Palme und Allende. Zerschossene Buden neben Ministerien und weiteren mittleren Müllhalden. Edelkarossen und schrottreife Vehikel. Wuseln und wundern. Marx, Engels und Lenin. Soweit hier im Süden. Comrades, seht es euch an, wie Eure Aktien jetzt stehen.

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Ein Date im  Goethe-Institut. Vertragsarbeiter und wie ihre Aktien heute stehen. Ein Dirty-Dancer und eine Sängerin mit Gruppe am Start. Überraschende Aussagen und Botschaften. Die Madgermans sollen beginnen zu vergessen, zu vergeben. So ...
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Tag Acht – Abwärts. Die schauderhaften Routinen.

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ZehnUhrDreissig. Wir besteigen die Minna, donnern den 24.Juni runter. Zum ewigen Park der Madgermanes. Ob deren Kinder noch hier, auf eine sich nicht einlösende Vergangenheit warten werden? Das Elend als Erbhof? Die Frelimo soll es richten. Deren heimliche aber nicht zu übersehende Schatten haben gerade Wachwechsel. Sind eigentlich unsere Zimmer verwanzt? Die DDR und ihr schlechter Atem. Obwohl deren Banner, der wie täglich hier vom Platze grüßt, immer soviel Freundlichkeit ausstrahlt. Am Anfang war es eben gut gemeint. Die Frelimo kennt das Lied. Dass dunkle Mächte ihren ersten Tribun Samora Machel vom Himmel schossen, das war 1986, verleihen diesem Anfang hier im heißen Land einen erhabenen Glanz. Die Melancholie der Tropen. Mit ihm wär es anders ausgegangen. Hier in der Welt der Dünnen. Die Vertreter der dicken Welt (wir) breiten sich samt ihrem schweren Equip im Park aus und warten auf Joses Geschichten. Dresden 1984. Er und seine deutsche Freundin ...
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Ich fühle mich,

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als hätte eine übergewichtige russische Verkäuferin die Nacht auf meinem Kopf gesessen. Ich bin vollgestopft mit Eindrücken. Die Sonne saugt die Lebenskräfte ab. Und dann treffen wir auf Menschen, die kriegen so ein Leuchten in den Augen, wenn sie über ein Land reden, in dem ich auch gelebt habe. Ich habe dort nicht gelitten, ich war nicht im Widerstand – aber so habe ich das Land nie gesehen. Die ehemaligen Vertragsarbeiter sprechen über die DDR. Sie sprechen über die Hoffnungen, mit denen sie in das fremde Land kamen, um zu lernen. Man hat sie direkt in der Schule rekrutiert. Manche Eltern waren irritiert. Aber sie wollten etwas lernen für ihr Land, das damals noch eine Volksrepublik war. Sie erinnern sich an deutsche Arbeitskollegen, die ihnen geholfen haben. Die sie auch zu Weihnachten eingeladen haben. Wir reden sie auf den Rassismus an, den offenen und den verdeckten. Sie winkten ab. Der ...
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Mangan gefunden.

Mangan gefunden! Samora Machel und die Hermeneutik des Reisens

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Heute Morgen reflektiere ich (ja, genau: in meinem Café) über den Sinn des Reisens, des Lebens und des Universums. Da ich die Antwort auf die letzten beiden Fragen natürlich bereits kenne (nämlich 42), kreisen meine Gedanken bald ums Reisen. Ich bin nicht wenig herumgekommen, bin durch viele Länder gehetzt, immer in Erwartung des nächsten Eindrucks.

Schnitt.* Viele Jahre zurück.

Ich sitze am Steuer des Minibus, den uns Calvin aus Malelane in Südafrika nach langem Bitten überlassen hat, und wir flitzen über staubige Pisten im Grenzgebiet zwischen Swaziland, Mosambik und Südafrika. Neben mir mein bester Freund Micha, hinter uns die Frauen und Kinder (je 1+3). Die Stimmung ist schlecht, weil ich meinen Kopf überhaupt oder jedenfalls zu wenig subtil durchgesetzt habe, nämlich dass wir heute nach der Absturzstelle von Samora Machel fahnden. Keiner glaubt, dass wir in den Lebombo-Bergen noch etwas finden, oder dass das, was wir finden, interessant sein könnte ...
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Kunst am Morgen. Kunst am Abend. Und immer wieder herzt uns Afrika.

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Ich bin der Kameramann in der Reisegruppe und benutze folglich das Medium Bild als Kommunikationsmittel nicht. Zumal ich sehe, dass Georg und Kai in Quantität und Qualität die entscheidenden ge- und verdrehten Momente einfangen. Dies gekoppelt mit der Fähigkeit zum Verfassen einer heiteren Bildunterschrift spült die Gewissheit in meinen Kopf, dass ich mich nicht mit weiterem Equip behängen muss. Heute sind wir im Atelier des Künstlers mit den dicken Frauen. Im Nebenhaus ein Gottesdienst. Wie Menschen auf Nahrungssuche folgen wir - nicht der Nase - sondern dem Ohr. In der Kirche singt die Gemeinde sakrale Popsongs mit ordentlich Pfeffer im Sound und Movement in den Hüften. In Afrika fetzt selbst Gott. Der Künstler legt das Bild an, trägt die erste Schicht Öl auf die Leinwand. Der Pinsel fügt Gelb zu Blau, Blau zu Rot. Rot zu Gelb und Schwarz zu Weiß. Die Tochter des Künstlers bestaunt uns in unserem Tun ...
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Öffentliche Waschstelle.

Maputo – cidade bela, limpa e próspera

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Weitere Impressionen aus Maputo - Stadt der Schönheit, Sauberkeit und des Fortschritts. image ...
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