Der Tag am Meer

Die gute Nachricht ist, wir haben heute einen Offday, den wir am Meer verbringen. Die Schlechte, Georg muss uns leider heute schon verlassen. Ein guter Freund verlässt das Schiff. Was werden wir wohl ohne Fachberatung in Sachen Wein, besonderem Essen, thüringischer Mundart, Rechtsberatung und vorallem in Sachen Africa heute Abend am Pool erleben? Da kommt schon etwas Wehmut auf, wenngleich wir uns alle auf zu Hause freuen. Kai zitiert gern Pückler der sagte, es geht nicht darum zu reisen, sondern gereist zu haben. Eine Verknappung mit viel Wahrheit.

Am Meer sitze ich allein auf einem Stein. Die Bilder der vergangenen Tage ziehen vorüber. Wie immer auf Reisen Fragen. Mehr Fragen. Wer schuf unser Privileg? Gott? Die Gnade geografisch günstiger Geburt? Nutznieße ich? Welchen Sinn hat mein/unser Tun? Übermächtige Projektionen auf das Land unsere Reise – Mozambique. Wir lassen Menschen, lieb gewonnene Menschen zurück. Ein ganzes Land. Wir werden zu Hause zur Tagesordnung übergehen, werden Routinen folgen, räumliche Distanz finden. Ja, räumliche Distanz. Mir schießt in alter Surburbia-Tradition ein Song durch den Kopf. Heute: Funny van Dannen:

Wenn man so rumsitzt und sich so umschaut
Sieht man die Welt rings umher
Und wenn sie schön ist benimmt man sich so
Als ob man ein Teil von ihr wär
Wenn man so rumsteht und sich so umschaut
Fällt vielleicht wieder mal Schnee
Und es wird Abend, wo ist die Liebe
Ist sie da wohin ich jetzt geh

Während du lachst sind viele andere traurig
Und wenn du stirbst werden viele einen Orgasmus haben
Das hört sich schlimm an – ist es aber nicht ganz
Denn zum Glück gibt es die räumliche Distanz

Man kann seine Schönheit verkaufen
Und mancher verkauft sein Geschick
Man kann seine Kraft verkaufen
Und manche verkaufen ihr Glück
Manche verkaufen Geheimnisse
Manche nehmen sie mit ins Grab
Ich verkaufe meine Liebe
Das Beste was ich hab

Während du schläfst haben andere Hunger
Und während du frühstückst bringen andere sich um
Das hört sich schlimm an – ist es aber nicht ganz
Denn zum Glück gibt es die räumliche Distanz

Wenn man so rumläuft und sich so umschaut
Sieht man vielleicht was – wer weiß
Und es wird morgen, ist das die Freiheit
Fragst du sie nach ihrem Preis
Was ist das Gegenteil von nichts
Hab ich dich einmal gefragt
Ist es etwas, oder alles
“Küss mich” hast du gesagt

Während du verliebt bist sind andere völlig verzweifelt
Und während du verwöhnt wirst werden andere von Bomben zerfetzt
Das hört sich schlimm an – ist es aber nicht ganz
Denn zum Glück gibt es die räumliche Distanz

Unangemessen oder nicht. Der Song kam mir. Ein Teil von Hilflosigkeit in der Welt. Morgen werden wir in den Flieger steigen. Maputo, Du bist keine Schönheit, aber Herzen erobern kannst Du. Ich nehme Dich mit – in meinem Rucksack, in meinem Herzen.

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